In der Grundschule hatte
ich das Gefühl, besonders talentiert zu sein. Mein Grundschullehrer
liebte mich. Ich glaube, er wusste von mir als einzigem Schüler in
der Klasse den Geburtstag auswendig, zu dem er mir von alleine
gratulierte. Am Geburtstag wurde man von ihm hergewunken, sodass man vor der Klasse stand, die dann ein Geburtstagsständchen vortrug.
Ich erinnere mich daran, dass er mich zu ihm winkte, während man ihn
darauf aufmerksam machte, dass noch ein anderes Kind in der Klasse am
selben Tag Geburtstag hatte. Der Lehrer müsste nun bereits circa 75
Jahre alt sein. Ich würde ihn auf der Straße wahrscheinlich nicht
wiedererkennen.
Wahrscheinlich mochte
mich mein Lehrer, da er bereits meine Schwester kannte. Es kam in
meiner Schullaufbahn durchgehend vor, dass ich einen Lehrer hatte,
den zuvor schon meine Schwester als Lehrer hatte. Sie schien bei
allen einen guten und persönlich nahegehenden Eindruck gemacht zu
haben. Bei meiner Schwester wurde dieses Jahr Krebs festgestellt.
Ich kann mich an den
Namen einer dieser Lehrer, die meine Schwester mochten, nicht
erinnern. Einige meiner Gymnasiallehrer sind bereits verstorben.
Genauer gesagt sind zwei Lehrer gestorben, die ich als
Lieblingslehrer bezeichnen würde. Beide waren Lateinlehrer. Vor
einer Weile fand ich in meinen persönlichen Sachen aus der Schulzeit
einen Schnipsel wieder, auf dem ein kleiner witziger Austausch
zwischen einem der verstorbenen Lehrer und mir stand. Ich musste auf
einmal schluchzen. Ich stand diesem Lehrer nicht nahe, aber ich hatte
das Gefühl, dass wir uns gegenseitig mochten. Soweit ich weiß, nahm
er sich nach einer Diagnose eines Hirntumors selbst das Leben.
Der andere verstorbene
Lehrer hatte mir vermittelt, dass Literatur und Philosophie wichtig
sind. Er hatte einen großen Einfluss auf mich. Man
konnte als Schüler bemerken, dass er sich aufrichtig für seine
Fächer Deutsch, Latein und Ethik interessierte, was wiederum
motivierend war, diese ernst zu nehmen. Andererseits schien er immer
deprimiert angesichts der Irrelevanz seiner Unterrichtsfächer für
die Wirtschaft. Er ist wohl an den Folgen intensiven Alkohol- und
Zigarettenkonsums gestorben.
Eine weitere Lehrerin
fällt mir ein, von der ich meine gehört zu haben, dass sie sich das
Leben genommen hat. Von ihr bekam ich in der fünften Klasse zum
allerersten Mal überhaupt die Note Sechs. Ich nahm es zunächst
recht gefasst auf, aber die Tröstungsoffensive meiner Freunde gab mir das Gefühl, etwas Schlimmes angerichtet zu haben. Ich sagte
es meiner Mutter, die es wie jede potentiell schlechte Nachricht
irgendwie leicht vergnügt aufnahm.

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