Ich absolvierte ein Praktikum in einem Kunstmuseum und lernte dort den geringen Wert der Kunst kennen. Während des Verfassens der Bachelorarbeit grübelte ich verkrampft mehr über meine Zukunft nach, als über die philosophische Fragestellung meiner wissenschaftlichen Abschlussarbeit. Kurz nach dem Bachelor dachte ich mir, es sei schon längst höchste Zeit für die ersten Berufserfahrungen, in Gedanken an die von mir imaginierten Lebensläufe meiner eifrigeren Gleichaltrigen. Ich liebe Kunst und sonst nichts und fühlte die Notwendigkeit, überhaupt einmal das Arbeiten auszuprobieren.
Ich begleitete eine der Museumsführungen. Mitarbeiter des Finanzamts waren auf Betriebsausflug im Museum. Einer der Herren vom Finanzamt deutete auf ein Ausstellungsstück des Museums, ein zusammengeknüllter Haufen weißer, unbeschriebener Blätter Papier.
„Ist des Kunst?“
„Na, des ist doch koa Kunst“, entgegnete sein befreundeter Kollege. Die beiden trugen zu große, bunte, kurzärmelige Karohemden, die in ihre Jeanshosen gesteckt waren.
„Was moachen de Künstler denn eigentlich beruflich?“
Man wandte sich an mich, da ich den Museumsbesuchern zuvor als Mitarbeiter des Museums vorgestellt wurde. Wir standen gerade neben einem Kunstwerk einer Künstlerin, die mit einem Skalpell Quadrate aus kariertem Papier herausschneidet.
„Soweit ich weiß, macht diese Künstlerin hier ihre Arbeit hauptberuflich. Sie zerschneidet jeden Tag Papier, von früh bis spät.“
„Ah, wos, des is doch koa Oabeit.“
„Die große Wandinstallation unten stammt von einer Künstlerin, die als Professorin an der Akademie der Bildenden Künste arbeitet.“
„Ja, des is a Oabeit!“ Er wandte sich zu seinem Kollegen. „Wenn ma wenigstens a Professor is, ja, des is a Oabeit, aber einfach so, Künstler, na, des is nix.“

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