Mein Opa stützte sich
mit seinen Armen auf unseren Einkaufswagen, da ohne Hilfe zu stehen
mittlerweile zu anstrengend für ihn war, während wir mit meiner
Mutter und meiner Schwester durch den Supermarkt gingen. Er erzählte,
dass er seinem Nachbarn noch etwas zum Geburtstag kaufen möchte, der
morgen 84 Jahre alt werde.
„Er hat mir gestern
erzählt, dass er zurzeit nicht so gut aufs Klo kann, da wollt' ich
ihm was dafür kaufen, einen Brottrunk“, sagte mein Opa.
„Ahja, das ist sowas
mit Darmbakterien, oder?“, antwortete ich.
Wir erledigten zusammen
unseren Einkauf und begleiteten dann unseren Opa zu seinem Haus. Er
wohnt in einer Reihenhaussiedlung. Als wir uns seinem Haus näherten,
sah ich, dass eine Frau und ein Mann mit einem gewissen Abstand
voneinander vor dem Haus des Nachbarn standen und in den Boden
starrten. Ein jüngerer Mann saß vor den Stufen zum Eingang des
Hauses und putzte sich die Nase. Als wir uns weiter näherten, konnte
ich sehen, dass sie alle Taschentücher in den Händen hielten und
recht rot im Gesicht waren.
Die Frau begrüßte
meinen Opa und sagte mit verheulter Stimme: „Der Papa ist
gestorben.“
„Wann ist das
passiert?“, antwortete mein Opa.
„Gerade eben... Ich
habe Kuchen gebacken und ich hab ihm hochgerufen, wenn du jetzt nicht
kommst, dann spül ich die Schüssel ab... Der Kuchen war ja für
seinen Geburtstag morgen... Er wollte den Kuchenteig rausschlecken,
hat er davor gemeint, aber er ist einfach nicht runtergekommen, ich
hab nochmal gerufen, und irgendwann bin ich hoch, im Büro, da war er
nicht, ich hab gerufen, dann hab ich ins Badezimmer geschaut und da
sah ich ihn, nach vorne über seine Beine zusammengesackt, auf der
Schüssel...“
„Ich hab ihn doch
gestern erst gesehen... Ich hab ihm grad noch ein Geschenk
gekauft...“ Mein Opa hob kurz die Stofftasche in seiner Hand an, in
der der Brottrunk lag.
„Ja, wir sind...
geschockt, der Arzt war da...“
„Darf man ihn sehen?“,
fragte mein Opa.
„Wen?“
„Ihn.“
„Er liegt jetzt im
Wohnzimmer...“
Wir verabschiedeten uns
von unserem Opa, bevor er in das Haus seines toten Nachbarn eintrat, der mehr als 40 Jahre neben ihm gewohnt hatte. Meine Mutter unterhielt sich noch kurz mit der Frau, sie meinte, er
hätte es bestimmt gewollt, so zu gehen, ich nahm an, sie meinte,
kurz und schmerzlos, wir verabschiedeten uns von ihr, gingen zum
Auto, sahen uns verlegen lächelnd an, wegen des zu spät gekommenen
Geschenks, und fuhren nach Hause.

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