Ich
bekomme eine Nachricht auf meinem Handy: „Kurze Zwischenmeldung:
Der Raphael ist noch in der Arbeit.“
Ich
warte darauf, dass meine Schwester mit ihrem Auto vorbeikommt, um mit
mir und ihrem Freund zu unseren Eltern zu fahren.
„Keine Eile“, schreibe ich zurück.
„Keine Eile“, schreibe ich zurück.
Ich
sitze an meinem Schreibtisch, trinke ein Glas Rotwein und schaue aus
dem Fenster. Vor meinem Fenster ist ein kleiner Park mit
Tischtennisplatte. Auf der Tischtennisplatte sitzt, mit dem Rücken zu
mir, ein dunkelhäutiger Mann mit weißem, kurzem Haar. Er trinkt ein
Bier und starrt vor sich hin. Ich knipse ein Foto von ihm mit meinem
Handy.
Ich
schaue mir ein paar Youtubevideos an. Meine Schwester schreibt, dass
der Raphael nun zu Hause sei und nur noch aufs Klo gehe. In
spätestens fünfzehn Minuten seien sie da.
Ich
gehe aufs Klo, ziehe dann Schuhe und Jacke an, nehme meinen gepackten
Rucksack und gehe schonmal nach draußen. Ich bin mir nicht sicher,
ob ich mein Fenster geschlossen habe und gehe ums Gebäude, um mein
Fenster zu sehen. Es ist zu. Der Mann auf der Tischtennisplatte
raucht eine Zigarette. Ich stelle mich wieder an die Straße, scrolle
durch Nachrichtenartikel auf meinem Handy und halte nebenbei Ausschau
nach dem blauen Golf meiner Schwester.
Viele
Autos rauschen vorbei. Nach circa zwanzig Minuten sehe ich den
Golf und nähere mich mit einem Lächeln der Beifahrertür. Raphael
steigt aus und grüßt mich. Ich frage, wie man den Sitz nach hinten
klappt. Man muss den Hebel ziehen. Ich klappe den Sitz nach hinten
und setze mich hinter den Beifahrersitz.
„Sicher,
dass du nicht hinter der Clara sitzen willst?“
Raphael schaut mich an.
Raphael schaut mich an.
„Äh...
Da liegt halt jetzt Zeug rum...“, antworte ich.
„Ich
müsste das dann wegräumen...“, sagt Clara und seufzt.
„Na
gut, dann fahr ich den Sitz halt nach vorne.“
„Es
wär auch so gegangen, du kannst auch wieder nach hinten rutschen“,
sage ich zu Raphael und rücke meinen Rucksack so zurecht, dass er neben mir
nicht umfallen kann.
„Das passt jetzt schon so“, sagt Raphael.
„Das passt jetzt schon so“, sagt Raphael.
Clara
fährt los.
„Ähm
ja, der Raphael ist ein bisschen besoffen. Es hat sich rausgestellt,
dass er gar nicht in der Arbeit war, sondern noch auf eine Party
gegangen ist. Ich dachte, der arme Raphael muss noch arbeiten, dabei
ist er auf der Party, ohne mir was zu sagen, und hat sich innerhalb
einer Stunde mehrere Gin Tonics reingekippt. Und als wir daheim
waren, hat er auch noch was vorgeschlagen, ich fass' es nicht.“
„Das
war halt die Party von der Arbeit, was soll ich'n machen. Könn' ma
noch irgendwo halten und Chicken Nuggets holen?“
„Boah,
Raphael, du regst mich so auf. Ich warte zu Hause und denk du
arbeitest und dann kommst du nach Hause und bist besoffen, obwohl du
weißt, dass wir heute zu meinen Eltern fahren. Und dann schlägst du
auch noch das vor. Ich hab dir noch ganz lieb extra Wurstbrote
gemacht.“
Raphael nimmt die Brotdose aus seiner Tasche und schaut sich die Wurstbrote an.
Raphael nimmt die Brotdose aus seiner Tasche und schaut sich die Wurstbrote an.
„Was
ist'n da drauf?“
„Das
eine ist mit Salami und Senf, und eins mit Schinken.“
Wir sind auf der Autobahn. Ich sitze hinten und schaue aus dem Fenster. Ich will nicht sagen, dass ich alleine Rotwein getrunken habe.
Wir sind auf der Autobahn. Ich sitze hinten und schaue aus dem Fenster. Ich will nicht sagen, dass ich alleine Rotwein getrunken habe.
„Oh
ne, Raphael, bin ich jetzt wegen dir falsch gefahren? Du regst mich
so auf.“
„Du fährst doch.“
Clara seufzt.
„Du fährst doch.“
Clara seufzt.
„Wie
fahren wir denn jetzt? Oh Mann, Raphael. Halt's Maul.“
Sie
muss lachen.
„Ich
hab' so einen Hunger, könn' ma nich' zum McDonald's fahren?“
„Halt einfach dein Maul. Iss das Wurstbrot. Das ist mir so peinlich vor meiner Schwester, die denkt sich, die werden heiraten.“
„Halt einfach dein Maul. Iss das Wurstbrot. Das ist mir so peinlich vor meiner Schwester, die denkt sich, die werden heiraten.“
Meine
Schwester und Raphael heiraten nächsten Monat.
„Du
kannst noch lachen, dann kann's nicht so schlimm sein“, sage ich.
„Kann
nicht so schlimm sein“, sagt meine Schwester und blickt rüber zu
Raphael, der in ein Wurstbrot beißt.
Clara
fährt langsamer, als wir auf eine von der Feuerwehr abgesperrte
Straße zurollen. Raphael zeigt einem der Feuerwehrmänner den Stinkefinger.
„Geht's
noch? Man zeigt einem Feuerwehrmann nicht einfach so den
Finger.“
„Was sperren die denn die Straße ab?“
„Was sperren die denn die Straße ab?“
„Kann
ich hier links fahren?“
„Ich muss auf's Klo.“
„Geht's nicht mehr bis daheim?“
„Nach paar Bier muss man halt.“
„Ich muss auf's Klo.“
„Geht's nicht mehr bis daheim?“
„Nach paar Bier muss man halt.“
„Bier?
Ich dachte du hast Gin Tonics getrunken?“
„Und fünf Flaschen Wein“, sage ich.
„Und fünf Flaschen Wein“, sage ich.
Clara
fährt rechts ran und Raphael verschwindet. Clara dreht sich zu mir
um.
„Tut
mir so leid. Das ist mir so peinlich. Wir wollen heimfahren und er
besäuft sich. Und dann hat er auch noch sowas vorgeschlagen.“
„Was
hat er denn vorgeschlagen?“
„Ich weiß gar nicht, ob ich das sagen darf.“
„Ich weiß gar nicht, ob ich das sagen darf.“
„Wenn
du's schon erwähnst.“
„Als
er heimgekommen ist, wollte er noch kiffen.“
„Achso.“ Ich zucke mit den Schultern.
„Achso.“ Ich zucke mit den Schultern.
Raphael
steigt ein und wir fahren weiter. Clara fährt langsamer, weil wir
auf eine von der Feuerwehr abgesperrte Straße zurollen.
„Sind
wir jetzt im Kreis gefahren?“
„Ne...
Oder? Mal schauen. Ja, doch.“
„Wie ist das denn jetzt passiert? Oh Mann, Raphael. Ich mach' mal das Navi an.“
Die Stimme vom Navi spricht. Raphael ächzt laut.
„Wie ist das denn jetzt passiert? Oh Mann, Raphael. Ich mach' mal das Navi an.“
Die Stimme vom Navi spricht. Raphael ächzt laut.
„Den
Raphael nervt das, wenn das Navi Geräusche macht... Ich kenn
niemanden, den das nervt. Das ist doch ganz normal.“ Meine
Schwester fasst sich mit einer Hand an die Stirn.
Ich
starre aus dem Fenster. Es wird dunkel.
Wir
kommen zu Hause an.
„Was
besseres als dich hab ich wohl nicht gefunden.“, sagt Clara, als
wir zur Tür reingehen.
Sie
geht auf die Toilette. Raphael und ich gehen ins Wohnzimmer, wo meine
Eltern und meine andere Schwester zusammen fernsehen.
„Hallo...
Die Clara hat sich ein bisschen verfahren, ist aus Versehen in
Richtung Arbeit gefahren“, sage ich und setze mich.
Raphael
holt sich in der Küche ein Bier aus dem Kühlschrank.

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