„Niemand hat etwas davon, dass ich lese.“
Clara hatte immer Interesse an einem Literaturstudium, sie könnte endlich Russisch lernen, aber sie meint, es ist kein sinnvoller Beruf, denn es hat niemand etwas davon, dass sie liest.

Die eigentliche Tätigkeit in geisteswissenschaftlichen Studiengängen besteht nicht darin, dass man liest, sondern, dass man etwas darüber schreibt, was man gelesen hat. Ein Professor wird nicht dafür bezahlt, zu lesen, sondern er muss etwas schreiben, vortragen, anderen beibringen. Man kann bei einem Verlag arbeiten, Bücher herausgeben und übersetzen. Intellektuelle, die du für ihr Schaffen bewunderst, waren auch mal nur Studenten.
Zugegebenermaßen interessiert sich nur eine Minderheit für intellektuelle Themen, aber zahlenmäßig, in Deutschland, in Europa, auf der Welt, auf deutsch, auf englisch, je nachdem, sind das nun auch nicht gerade wenige Menschen, mal abgesehen davon, dass Reichweite vielleicht nicht beachtet werden sollte auf den Gebieten der Literatur oder der Philosophie und so weiter. 
Jeder Beruf ist auf eine spezielle Gruppe eingeschränkt, die von der Arbeit profitiert: Ein Arzt hilft den Menschen in der Gegend, in der er wohnt, ein Anwalt arbeitet ortsbasiert, ein Mitarbeiter von BMW arbeitet nur für Leute, die einen BMW kaufen wollen.

Ich schweige und denke im Nachhinein.

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