„Ida, deine Schnürsenkel.“
Ida sieht auf ihre Schuhe hinunter. Die Schnürsenkel an ihrem linken Schuh sind nicht offen, aber sehr locker geschnürt.
„Ich glaub', in der Geschichte der Menschheit ist noch nie jemand tatsächlich über seinen Schnürsenkel gefallen“, sagt Ida.
„Was?“, sagt Clara.
„Ich sag', es ist in der Geschichte der Menschheit noch nie jemand über seine Schnürsenkel gefallen.“
„Also, da hab ich schon andere Dinge gesehen. Aber 'tschuldigung, dass ich was gesagt hab. War ja nur hilfreich gemeint.“
„Ich finde es eher nervig, wenn mir das jemand sagt“, meint Ida.
Sie gehen durch den Garten ihrer Großmutter, die sie gerade besucht haben. Clara starrt in den Boden. 
Ida hat oft offene Schnürsenkel. Sie fragt sich, ob sie jemals richtig gelernt hat, sich die Schuhe zu binden. Ida weiß, dass sie gerade pampig war, aber sie findet, die Ernsthaftigkeit, mit der man auf offene Schnürsenkel hingewiesen wird, steht in keiner verhältnismäßigen Relation zu der geringen Gefahr, die davon ausgeht. Sie hat keine Zeitbomben an den Füßen. Es ist sogar schwierig, mit Absicht auf seine eigenen Schnürsenkel zu treten.

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